Klimaschutz – wie grün ist der Vatikanstaat?
Im Herbst 2007 ließ der Vatikanstaat verkünden, er sei der erste wirklich „grüne Staat“ der Erde. Wer hat dieses Wunder bewirkt? Bei allen Klimakonferenzen der Vereinten Nationen hatte sich der Vatikanstaat diplomatisch ruhig verhalten, so abstinent, dass er bis heute nicht das Kyoto-Protokoll unterschrieben hat.
Am 17. September 2007 hatte eine ungarische Firma dem Vatikanstaat angeboten, ihn klimaneutral zu stellen und auf einer Fläche von 150 000 m2 rund 125 000 Bäume zu pflanzen. Das Wäldchen sollte den Namen „Vatikan Klimawald“ erhalten. Der Vatikanstaat konnte dieser Versuchung nicht widerstehen, könne er doch die Treibhausgasemissionen des Kirchenstaates neutralisieren und sich von allen Klimasünden freisprechen lassen. Die klimapolitische Kehrtwende des Vatikanstaates fand offensichtlich am 26. April 2007 statt anlässlich eines Kongresses „Klimawandel und Entwicklung“. Vor den Würdeträgern des Vatikan sprach u. a. der „IPCC-Klimaexperte“ Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Papst Benedikt XVI. begrüßte, dass sich der Vatikan mit dem Klimawandel beschäftige und mahnte, neue „Lebensstile und Produktionsmethoden“ zu fördern, welche die Schöpfung respektieren. Doch der Ausritt des Vatikans auf den grünen Wogen des Zeitgeistes endete vorläufig im Nirwana, denn bis heute ist in Ungarn nicht ein einziges Bäumchen gepflanzt worden.
Dass der in allen Varianten des Ablasshandels erfahrene Vatikanstaat auf diesen Schwindel hereingefallen ist, sollte kein Anlass zur Häme sein. Lange vor ihm ist die hohe Politik auf die Drohung der nahenden menschenverursachten Klimakatastrophe hereingefallen und hat deren Bekämpfung zum höchsten Politikziel erhoben. Das liegt an dem Glauben an die Unfehlbarkeit der „Wissenschaft“ wie dem Herdenverhalten der Menschen, das mit Reizen entsprechend stimuliert werden kann. In einem Stadium kollektiver Angst wird blindlings jedem „Kaiser“ vertraut, der sich in die prunkvollen Kleider eines „Klimaexperten“ hüllt und die Rettung der sündigen Welt vor ihrem nahen Untergang verspricht. Angst macht blind und kopflos, tötet den gesunden Menschenverstand und erzeugt ein Klima der Panik, das gezielt genutzt wird, um das gesellschaftspolitische Klima zu revolutionieren.
Wo ist die kühl abwägende Distanz des Vatikans geblieben? Haben seine Weisen und Schriftgelehrten wie die päpstliche Akademie der Wissenschaften versagt? Sind sie nicht in der Lage gewesen, den schillernden Begriff „Klima“ analytisch zu fassen und ideologisch zu entschärfen? Eigentlich sollte man erwarten, dass alle Priester, Bischöfe und Kardinäle soweit des Griechischen mächtig sind, dass sie die Herkunft des Wortes Klima kennen. Es stammt ab von dem Verb „klinein“ und bedeutet „Neigung, Abhang“. Eine schiefe Ebene kann bei zu starker Neigung zum Abhang, zum Abgrund werden. Im christlichen „Gebot der Nächstenliebe“ ist allen Menschen und Völkern aufgegeben, das Klima untereinander zu schützen und nicht Zuneigung in Abneigung, Liebe in Hass umschlagen zu lassen. Streit und Krieg sollen durch Klimaschutz und Mäßigung verhindert werden. Der erste Klimaschützer war Moses mit seinen zehn Geboten. Sieben Gebote mahnen zum Klimaschutz: Du sollst Vater und Mutter ehren, nicht morden, ehebrechen, stehlen, kein falsches Zeugnis geben und nicht des Nächsten Haus, Weib, Knecht, Magd, Vieh etc. begehren.
Die Nächstenliebe ist nicht nur ein Zentralbegriff der christlichen Ethik, sondern ein ethisches Grundmotiv aller Religionen überhaupt. Die Aufforderung „So viel an euch liegt, so haltet mit allen Menschen Frieden“ in den Gemeindebriefen ist ein Klimaschutz-Gebot. Wer das Klima, Neigungen manipuliert, um Neid und Missgunst zu schüren, versündigt sich an der Friedenspflicht. Wer die Welt in eine Art „Klimakrieg“ hineinredet, handelt der nicht eher wie ein Brandstifter?
Wer um die Ursprungsbedeutung des Wortes „Klima“ weiß, muss, wenn dieses Wort in anderem Sinnzusammenhang auftritt, kritisch fragen, wie es definiert ist und was es bedeutet. Wenn die Weltorganisation für Meteorologie in Genf „Klima“ als „mittleres Wettergeschehen“ an einem Ort über eine bestimmte 30jährige Periode definiert, dann, so die erste logische Schlussfolgerung, handelt es sich um keine originäre, sondern eine berechnete und damit abstrakte Größe. Die Definition besagt auch, dass zuerst über 30 Jahre hinweg Wetteraufzeichnungen gemacht werden müssen, um anhand gemessener Wetterdaten Klimawerte berechnen zu können. Jeder Klimawert ist ein historischer Wert, der unveränderbar ist und keines Schutzes bedarf. „Klima“ gibt es auch deswegen nicht, weil es das Konstrukt „mittleres Wettergeschehen“ nicht gibt. Das Wetter ist ein kontinuierlich ablaufender und zudem irreversibler Naturvorgang, auf den der Mensch keinen Einfluss hat. Das Wetter sich gefügig und untertan zu machen, das wird hoffentlich der Menschheit nie gelingen. Der Vatikan sollte dem politischen Vorhaben „Klimaschutz“ entsagen und dem sich dahinter verbergenden Größen- und Machbarkeitswahn keinen Vorschub leisten.
Er sollte sich auch nicht von dem politischen Schlagwort der „globalen Klimagerechtigkeit“ beeindrucken lassen. Diese kann es solange nicht geben, solange die Erde eine Kugel ist und sich um die eigene Achse wie mit Achsenneigung in einer elliptischen Bahn um die Sonne dreht. Durch diese Drehbewegungen ändert sich permanent der Einfallswinkel der Sonnenstrahlen, deren Neigung oder auf Griechisch deren „Klima“. Dass die äquatoriale Zone mehr Energie/Wärme erhält als die Polkappen, bewirkt die Allgemeine Zirkulation, erzeugt die um die Erde jagenden Strahlströme. Das Wetter spielt sich völlig außerhalb des menschlichen Einflusses ab. Der Vielfalt an Wetter verdankt die Erde ihre Vielfalt an Fauna und Flora. Der Vatikanstaat sollte dem illusionären Vorhaben „Klimaschutz“ entsagen und sich auf die Einhaltung der 10 Gebote unter den Menschen und Völkern konzentrieren. Dies ist Friedenspflicht! Die Schöpfung zu respektieren, heißt, das Wetter zu respektieren.
Oppenheim, den 15. August 2010
Dr. Wolfgang Thüne
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