Klimakonferenz gut fürs Konsumklima
Das Bonner Gastronomie- und Hotelgewerbe freut sich über den Geldsegen, der zur Zeit über der Stadt reichlich niedergeht. Dank des gescheiterten Kopenhagener Klimagipfels müssen knapp 5000 Beamte aus etwa 185 Staaten nachsitzen, um wenigstens für die Klimakonferenz Ende 2010 in Mexiko ein Verhandlungspapier vorzulegen. Die Entwicklungsländer will man mit einem Schnäppchenangebot von 30 Milliarden Euro ins Klimaschutz-Boot ziehen, doch ob dieser Köder zum Anbeißen anregt? Der internationale Klima-Hauptantreiber, die Europäische Union, hat einen Anteil von ganz bescheidenen 2,4 Milliarden Euro angeboten.
Ob mit solchen Penny-Beträgen das 2009 in Kopenhagen festgelegte Zwei-Grad-Ziel, mehr darf die Erderwärmung rückwirkend seit 1850 nicht ansteigen, erreicht wird, das darf grundsätzlich angezweifelt werden. Die Natur lässt sich keine Vorschriften machen und speziell das Wetter schon gar nicht! Die Wettergötter haben in der Vergangenheit selbst Menschenopfer verschmäht. Mit billigem Papiergeld können sie erst recht nichts anfangen. Man kann schon heute feststellen: Außer Spesen in Bonn nichts gewesen!
Natürlich werden hochtrabende Fenster-Reden gehalten, wird die nahe Klimakatastrophe, ja der Weltuntergang beschworen, werden Bitt-Gottesdienste gefeiert, finden die üblichen Demonstrationen statt, doch von diesem ganzen gekünstelten Treiben wird das Wetter nicht die geringste Notiz nehmen. Bleibt den Teilnehmern, allesamt beamtete „Experten“, nur zu wünschen, dass das Hoch „Urs“ ein paar freundliche Tage beschert, damit abends in den Bier- und Weinrestaurants der Abschied aus dieser tristen Welt so richtig begossen werden kann.
Fern sind die Zeiten, als Prometheus als Anwalt und Freund „seiner“ Menschen Zeus betrog und den Menschen nicht nur das Feuer brachte, sondern sie auch lehrte, die Schätze der Natur zu erkennen und zu nutzen. Der Mensch lernte, aufmerksam die Abläufe wie das Verhalten der Natur zu beobachten und aus diesen Erfahrungen lebenspraktische Schlüsse für sein Verhalten zu ziehen. Er lernte auch, den Himmel zu beobachten und Wetterregeln zu entwickeln, um kurzfristig Wettervorhersagen abzuleiten. Die zeitlose Erkenntnis aus Millionen von Beobachtungsjahren kann man in dem schlichten Satz zusammenfassen: Das einzig Beständige am Wetter ist seine Unbeständigkeit!
Der Mensch lernte, sich dem Wetter überall auf der Erde anzupassen, denn ändern kann er es nicht. Mark Twain prägte den Satz: „Alle reden über das Wetter, doch keiner tut etwas dagegen!“ Diese ewige Kränkung versucht der Mensch nun zu kompensieren, indem er sich zum „Klimagott“ erhebt und das „Globalklima“ in seine Schranken weisen will. Doch dieses Verhalten ist hochnäsig und unsinnig, denn wie kann man ein Abstraktum, das statistisch vom Wetter abgeleitete Klima, schützen, wie kann man sich an ihm versündigen, wenn man sich weder das Wetter untertan machen noch sich an ihm vergehen kann. Wem soll „Klimafasten“ dienen?
Das über die Vereinten Nationen von den Staaten auf den Bühnen der Erde inszenierte Stück „Schutz des Globalklimas“ ist in Wirklichkeit eine Tragödie, in der die Menschheit ihre Hybris zelebriert, doch dabei den Untergang ihrer eigenen Vernunft offenbart. Einen Ausweg aus dieser kollektiven Sackgasse hat Immanuel Kant zumindest dem Individuum gewiesen mit der Aufforderung: „Habe den Mut deinen eigenen Verstand zu benutzen, um dich aus der selbst verschuldeten Unmündigkeit zu befreien!“
Oppenheim, den 2. Juni 2010
Dr. Wolfgang Thüne
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