Die Ökokatastrophenindustrie und die Vielfalt an Nutznießern

In dem Begriff Industriegesellschaft steckt das lateinische Wort ‚industria‘ und das bedeutet Fleiß, Betriebsamkeit. Mit Industrialisierung meint man zwar gemeinhin den Ersatz der handwerklichen Arbeit durch die maschinelle automatisierte Produktion von Gütern. Doch durch Fleiß, ‚industria‘, kann man auch andere Werke fertigen, wie die Ausdrücke Film-, Musik- oder Unterhaltungsindustrie zeigen. Auch die Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten setzt Fleiß voraus, wie deren gigantische Zunahme beweist. Aber auch Wissenschaft kann und wird zunehmend eingesetzt, nicht um dem Erkenntnisfortschritt zu dienen, sondern um Ängste zu erzeugen und einen gesellschaftspolitischen Wandel herbei zu führen.

Der Einsatz der Wissenschaften für politische Zwecke begann im industriellen Maßstab etwa um die Mitte der fünfziger Jahre. Etwa zeitgleich wurden Forschungsministerien gegründet, setzt in großem Stil die staatliche Forschungsförderung ein. Es waren die elektronischen Rechenanlagen, Computer, die es erlaubten, durch einfache Programmierung Weltbilder in Weltmodelle umzuwandeln und daraus Zukunftsszenarien zu entwickeln. Um überhaupt berechenbar zu sein, mussten die Modelle, wie das Treibhausmodell, geschlossen sein und je nachdem, wie man die Randbedingungen des „Erdsystems“ definierte, bekam man x-beliebige Ergebnisse, mit variierendem gesellschaftspolitischem Nutzen. Besonderer Beliebtheit erfreuten sich und erfreuen sich noch heute Modelle, die uns Menschen in Angst und Schrecken versetzen. Man kopierte das Muster der Horrorfilme aus Hollywood, bei denen Ängste, Sensationen und Science Fiction per Computeranimation geschickt zu Thrillern kombiniert werden. Jüngeres Beispiel ist der Blockbuster von Roland Emmerich „The Day After Tomorrow“ (2004), in dem die Klimakatastrophe dargestellt wird.

Die Liste der unter dem Deckmantel der Wissenschaft von Wissenschaftlern produzierten Weltuntergangsszenarien ist lang und reicht vom „Stummen Frühling“ von Rachel Carson (1962) über die „Grenzen des Wachstums“ vom Club of Rome (1972), dem „Waldsterben“, dem „Ozonloch“ bis zur „Klimakatastrophe“. Die Klimakatastrophe ist mitten in der Gesellschaft angekommen, verfolgt uns Tag und Nacht und die mit ihr verbundenen und stets aufs Neue geschürten Ängste versprechen lukrative Gewinne. Es ist praktisch wie beim mittelalterlichen Ablasshandel. Für unser Seelenheil ist uns kein Preis zu hoch.

Dieses völlig irrationale Verhalten hat auch diejenigen auf den Plan gerufen, die eigentlich als „Klimakiller“ auf der gesellschaftspolitischen Anklagebank sitzen. Ein Musterbeispiel für einen atemraubend schnellen Gesinnungswandel ist der Energieversorger ENTEGA. In der Mainzer Allgemeinen Zeitung vom 29. Oktober 2011 schaltete er eine zweiseitige Anzeige „Gesucht: Familie Klimaschutz“. Aufreißer sind die Schlagzeilen: „CO2 – das können wir uns sparen“, dann „Wir dürfen die Welt nicht gegen die Wand fahren“ und „Das Wetter und der Weltfrieden“.  Erklärend dazu heißt es: „Treibhauseffekt, Klimawandel, globale Erwärmung – unterschiedliche Namen für ein und dieselbe weltweite Beobachtung: Es wird ordentlich warm auf unserem Planeten. Die Folgen sind gravierend.“

Das Engagement begründet der Geschäftsführer ENTEGA Privatkunden, Frank Dinter, lapidar mit: „Energieversorger haben eine besonders große Verantwortung gegenüber dem Klima und damit auch für die Menschen.“ Auf ähnliche Weise hatten die Kernkraftwerksbetreiber ihre Verantwortung gegenüber dem Klima betont. Ihr Rezept zur Rettung des Klimas war die CO2-freie Stromerzeugung. Nach dem Fukushima-Aus für die Kernkraft, wechselt man flugs die Fronten, spielt sich zum Retter auf vor einer Katastrophe, die es nie geben kann. Auch daran hat sich nichts geändert. Dinter: „Wir bieten mittlerweile auch klimaneutrales Erdgas an.“ Denn: „Die Zeit drängt. CO2 sparen muss endlich zu einer gesellschaftlich hoch geachteten Leistung werden.“ Das müsste konkret dazu führen, dass ab sofort alle bisher als „gesellschaftlich hoch geachteten Leistungen“ unserer Leistungssportler, sei es bei Handball- oder Fußballweltmeisterschaften und auch bei Olympischen Spielen wie alle „Klimakiller“ zu ächten seien. Mit ihrem extrem hohen CO2-Ausstoß beim Atmen bringen sie unseren Planeten „noch mehr ins Schwitzen“. Dieses „CO2 -das können wir uns sparen“, denn mit den riesigen „CO2-Fußabdrücken“ aller Freizeit- und Leistungssportler wird das Klima zu Tode getrampelt. Damit soll Schluss sein, denn wir dürfen ja nicht „die Erde an die Wand fahren“!

Dies alles ist kein Spaß, es ist eine perfekt ausgeklügelte Marketingmaßnahme von ENTEGA, die einzig und allein auf Aussagen und Warnungen von staatlichen Wissenschaftlern, speziell den Klimaexperten des IPCC-Weltklimarates, beruht. Alle Daten sind mit Quellenangabe aus den einschlägigen Berichten übernommen. Die bis 2100 prognostizierte Erderwärmung von +4°C ist der „Copenhagen Diagnosis“ des IPCC entnommen. Speziell, was die CO2-Pro-Kopf-Emission betrifft, da ist für Bewegungssport nicht mehr viel Raum. Sie muss von derzeit 11,9 Tonnen auf 2 Tonnen sinken. Das ist der errechnete CO2-Fußabdruck, der gerade noch die Klimakatastrophe abwendet.

Was meint ENTEGA mit „Das Wetter und der Weltfrieden“? Gibt es zwischen Wetter und Frieden einen Kausalzusammenhang? Verhindert das Wetter den Frieden, verursacht es  etwa Krieg? Kann man den Frieden retten, indem man das Wetter abschafft? Oder ist das nur so eine Floskel, deren Stoßrichtung auf unsere labile und leicht manipulierbare Psyche zielt? War das Wetter schuld, dass Adam und Eva des Paradieses verwiesen wurden? War das Wetter schuld, dass Kain seinen Bruder Abel erschlug? Wenn ja, welches Wetter? Das tropische, subtropische, das gemäßigte oder polare Wetter? Und warum soll jetzt plötzlich an der ganzen Misere das Wetter schuld sein? Bisher hieß es doch stets: Wir versündigen uns am Klima und dieses schlägt zurück. Das Klima soll sich an uns rächen, indem es die Tendenz zu extremeren Wetter fördert. Wie das geschehen könnte, das bleibt im Dunkeln. Der „Treibhauseffekt“ soll sich dahingehend auswirken, dass es sowohl wärmer, als auch kälter, trockener und zugleich nasser wird. Auch Hitze und Kälte sollen extremer werden. Die Regenfälle sollen intensiver werden, aber auch die Dürreperioden. Konkreter werden diese Aussagen nicht. Sie bewegen sich auf dem Niveau wie der spöttische Vers: „Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt, wie es ist.“

ENTEGA hat sich optimal dem Zeitgeist angepasst und versucht geschickt, das Optimum im wirtschaftlichen Konkurrenzkampf für sich herauszuholen. Wer meint, den Klimawandel durch Verzicht auf Bewegung oder bessere Isolierung seines Hauses aufhalten zu können, glaubt sich auf der Seite der Guten und schläft besser. Auch das „Climate Service Center“ in Hamburg empfiehlt in seinen CSC-News-Scan vom Oktober 2011: „Handeln statt Warten“! Es verweist auf die Politologin und Wirtschaftsnobelpreisträgerin (2009) Elinor Osrom, die zur Bewältigung des Klimaproblems jeden Einzelnen zum Klimaschutz auffordert. Wir sollen unsere Häuser isolieren, Fahrgemeinschaften bilden, sparsamere Autos kaufen und fertig ist die heile Klimawelt. Sie wäre gut beraten gewesen, wenn sie sich an den weisen Rat von Friedrich Hegel (1770-1831) gehalten und sich erst mit dem Begriff „Klima“ befasst hätte, bevor sie über Klimaschutz spricht. In jedem Lexikon wird der Unterschied von Wetter und Klima, von ‚Weather and Climate‘, erklärt. Gerade ein in Statistik geübter Volkswirt wird auf den ersten Blick den gewaltigen Unterschied zwischen dem stets realen und veränderlichen Wetter und dem statistischen Konstrukt Klima erkennen. Das „Azorenhoch“ und „Islandtief“ sind tote statistische Gebilde, die seit Jahrzehnten in jedem Schulatlas zu finden sind. Jedem logisch denkenden Verstand wird auch sofort auffallen, dass das Klima über das Wetter definiert ist und nicht umgekehrt. Die Klimavielfalt auf der Erde ist Ausdruck und Folge der Wettervielfalt. Das bedeutet: Es gibt kein Globalklima, das man schützen könnte.

Bei diesen Überlegungen wird auch auffallen, dass „Klimaschutz“ und „Wetterschutz“ völlig konträre Bedeutung haben. Wetterschutz bedeutet klipp und klar: Schutz vor dem Wetter! Wir schützen uns mit dem Regenschirm vor dem Regen, mit dem Sonnenschirm vor der Sonne, mit dem Blitzableiter vor dem Blitz, mit dem Mantel vor der Kälte, mit Windschutzhecken vor dem Wind! Wir brauchen das Wetter nicht zu schützen, denn erstens macht es, was es will und zweitens würde uns die Energie fehlen, um die Allgemeine Zirkulation und damit die Wettermaschinerie in Gang zu setzen. Die Atmosphäre hat eine Oberfläche von circa 510 Millionen Quadratkilometern. Das sind 5,1 • 1014 m2 Bei einem mittleren Luftdruck von 1013 hPa (Millibar) lastet auf einem m2 ein Gewicht von 10 Tonnen Luft. Dividiert man die Erdoberfläche durch die Zahl von 7 Milliarden Menschen, so müsste Jeder die Muskelkraft aufbringen, um rund 72.800 Tonnen Luft in Bewegung zu setzen und entsprechend auf Strahlstromgeschwindigkeit zu beschleunigen.

Auch wenn die Klimaexperten den Begriff „Klimaschutz“ verfälscht, ihm die Bedeutung von „Schutz des Klimas“ und uns den Befehl gegeben haben, das Klima zu schützen, so ist dies doch absolut unsinnig und unmöglich. Warum lassen wir uns immer wieder ins Bockshorn jagen? Ist es das infame Spiel mit unserem notorisch schlechten Gewissen? Dieses brauchen wir nicht zu heben. Wir können uns am Klima ebenso wenig versündigen wie am Wetter. Alle Maßnahmen bedeuten daher eins: Wir vergeuden sinnlos unsere finanziellen Energien, auch die stets knappen geistigen Energien und können dennoch nichts am Wettergeschehen  und daher am Klima ändern. Egal was die Menschheit auch investiert, die Wettergötter sind und bleiben unbestechlich. Mit den Windströmungen ziehen die Hoch- und Tiefdruckgebiete weiter unbeirrt ihre Bahn und richten sich nicht nach unseren Wünschen, auch nicht nach den Prognosen der Meteorologen.

Doch nicht nur ENTEGA glaubt, einen neuen lukrativen Markt entdeckt zu haben, um ihn abzuschöpfen. Auch der für Rheinhessen zuständige Energieversorger EWR konzentriert sich auf den neuen Markt. Er veranstaltete ein Energiewende-Zukunftsforum in Mainz. Die Mainzer Allgemeine berichtete am 2. November 2011: „Zur Energiewende gibt es keine Alternative. Wind, Sonne und Biogas müssen künftig dafür sorgen, dass das Licht brennt und die Waschmaschine läuft.“ Welch ein naturferner anthropogener Größenwahn spricht aus diesen Zeilen. Sonne und Wind „müssen“ gar nichts. So wie die Windmühlen keine Getreide malen konnten, wenn der Wind nicht wehte, so wird künftig kein Strom produziert werden können, kein Licht brennen, wenn kein Wind weht oder die Sonne nicht scheint. Wir werden finsteren Zeiten entgegen gehen, wenn uns nicht bald das Licht der Vernunft erleuchtet.

Wenn man den gesunden Menschenverstand der „schweigenden Mehrheit“ konzentrieren und in Windenergie umwandeln könnte, dann wäre die kleine Schar von IPCC-Experten rasch vom Winde verweht. Doch dazu bedarf es nach Immanuel Kant (1724-1804) des Mutes, seinen eigenen Verstand zu benutzen. Nur mit beidem, Mut und Verstand, kann man sich aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit befreien. Die meisten von uns vertrauen aus Bequemlichkeit auf den „guten uneigennützigen Hirten“. Doch der existiert nur in der abstrakten Theorie, wie die Menschheitsgeschichte zeigt. Sie ist keine Friedensgeschichte. Die Freiheiten des Individuums müssen ständig aufs Neue erkämpft werden, auch und insbesondere gegenüber wirtschaftlichen Mächten und politischen Mehrheiten.

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