Die „Klimaökonomen“ – Zum Wert dieser neuen Spezies

In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 29. 08. 2010 war im Wirtschaftteil ein ganzseitiges Interview mit dem Kölner Verhaltensforscher und Wirtschaftswissenschaftler Professor Dr. Axel Ockenfels. Wie seit einiger Zeit üblich ging es um Fragen der Energiepolitik wie des Klimaschutzes sowie der ökonomischen Wertungen.

Die Überschrift des Interviews lautete „Ohne Atomkraft wird der Strom teurer“. In diesem Kontext folgten zwei Artikel „Die atomare Spaltung der CDU“ und „Kernkraft in der Verlängerung“. Bezüglich der Verlängerung der Laufzeiten der Kernkraftwerke wurde dem Zeitgeist gemäß angemerkt: „Das hilft auch dem Klima“. Leider blieb die Frage, welchem Klima die Verlängerungen der Laufzeit um 10, 15 oder 20 Jahren denn eigentlich nutzen, unbeantwortet.

Diese Frage wurde gar nicht erst gestellt. Mit keinem Wort gab es auch einen Hinweis darauf, wie das mit dem Klimaschutz gehen und geschehen soll. Ausgerechnet von einem Verhaltensforscher und Wirtschaftswissenschaftler, der reale von statistischen Daten sollte unterscheiden können, hätte man erwarten können, dass er zuerst genau prüft, wovon und worüber er redet. So war auch nicht zu verstehen, was er unter der Floskel, „der Klimaschutz müsse effektiver werden“, versteht. Es drängte sich der Eindruck auf, dass Axel Ockenfels wie die gesamte Spezies moderner Klimaökonomen gar nicht wissen, was es mit dem Klima auf sich hat, wie Klima entsteht und wer es steuert.

Die Herren und Damen Klimaökonomen sind auf einen fahrenden Zug gesprungen, führen sich als Weise auf und wollen sogleich Kapitän spielen und Wind wie Wellen auf tosender See Einhalt gebieten. Sie wissen nur so viel von den Klimaexperten wie der Lektüre ihrer Schriften, dass nach Al Gore das „Klima“ ein heimtückisches verkleidetes Gespenst ist, das mit der globalen Klimakatastrophe droht. Das in heilen vorindustriellen Zeiten friedfertige Wesen „Klima“ haben die reichen Industrienationen durch den Ausstoß von Treibhausgasen, insbesondere das Kohlenstoffdioxid (CO2), langsam erhitzt und so in Rage gebracht, dass die Globaltemperatur den vorgegebenen Pfad der Tugend zu verlassen drohe und folglich mit dem nahen Weltuntergang zu rechnen sei. Nun wollen sich die Herren Ökonomen, ermuntert von Sir Niclas Stern, in letzter Sekunde an der lukrativen Rettung der Welt beteiligen, wissen aber im Grunde nicht wie. Sie sprühen so vor Floskeln und präsentieren Milchmädchenrechnungen in Milliarden Höhe.

Wenn die Klimaökonomen nur einmal in gängige Lexika oder geographische Bücher schauen würden, dann würde ihnen vielleicht ein Licht aufgehen und ihnen die Unmöglichkeit des Vorhabens „Schutz des Globalklimas“ auffallen. Wer das Klima zu schützen gedenkt, sollte nicht vergessen, sich vorher das Wetter gefügig zu machen, zu unterwerfen, denn allein von diesem wird das Klima abgeleitet, sei es lokal, regional, kontinental oder überkontinental bzw. global. Nach der offiziellen Definition der UN-Weltorganisation für Meteorologie in Genf ist es nämlich das Wetter, gemittelt über eine 30jährige Periode, welches das Klima, das Auf und Ab der Temperaturen, bestimmt. Jeder Klimawert ist ausnahmslos ein errechneter Wert, wenn ihm auch gemessene und erhobene Wetterdaten zugrunde liegen.

Leben die Ökonomen oder Volkswirte bereits derart in statistisch errechneten fiktiven bzw. virtuellen Modellwelten, so dass sie jeden Bezug zur realen wirklichen Welt in ihrer einmalig großartigen Vielfalt verloren haben? So wie die Soziologie das Individuum in der Abstraktion  Gesellschaft, deren Wohl die Politik nach der Devise „das größte Glück für die größte Zahl“ anzustreben vorgibt, hat verschwinden lassen, so die Klimaexperten das lebendige Wetter in dem toten Konstrukt Klima. So wie die Globaltemperatur keinerlei Auskunft gibt über die Temperaturvielfalt auf der Erde, so gibt das Globaleinkommen auch keinen Einblick in die sehr extremen Einkommensunterschiede. Auch die mittlere Lebenserwartung ist ein fiktiver Wert, der nichts über das individuelle Alter aussagt, das zwischen Null und 120 Jahren liegen kann.

Es ist immer die Summe der Einzelwerte, die zusammen einen Mittelwert bilden. Man kann ihn zum Richtwert erheben, was viele Gesellschaftsideologien ja auch tun, aber der Natur bzw. dem Wetter vorzugeben, in welchem Korridor, zwischen welchen Leitplanken die Globaltemperatur sich zukünftig zu bewegen hat, das ist an blindem Größenwahn und Hybris nicht zu überbieten. Die errechnete Weltmitteltemperatur schafft auch kein Weltklima, ein Wesen, das man zum Schutzgut erklären könnte. Der mit Standardlänge, Standardgewicht, Standardintelligenz wie Standardlebenserwartung errechnete abstrakte Mensch bleibt eine Gedankenfiktion und kann kein Maßstab sein für die sieben Milliarden Erdenbewohner. Die Gehälter der Klimaökonomen sollten auf das Globaleinkommen reduziert werden, damit sie konkret merken, welchen Unsinn sie von sich geben.

Natürlich kann das Wetter Schäden anrichten und Unwetter hat es seit Urzeiten immer und überall gegeben. Das Ausmaß wie die Höhe der Schäden hängt immer davon ab, wie viele Menschen betroffen sind und welche Beschädigungen am Hab und Gut angerichtet wurden. Dies kann man mit vorbeugendem Klimaschutz nicht verhindern, zumal alle Klimastatistiken auf Ereignissen beruhen, die geschehen also vergangen sind. Wie das Wetter in Zukunft sein wird, das weiß Niemand, vor allem nicht die Klimaexperten. Den Grad der Unwissenheit verraten Aussagen wie, es wird künftig gleichzeitig heißer, kälter, trockener, nasser werden, das heißt, die Wetterextreme werden generell extremer werden.

Seitdem der Mensch die irdische Bühne betreten hat, hat er gelernt, sich optimal dem Wetter anzupassen und die gesamte Ökumene zu besiedeln. Hierzu haben ihn seine Gaben des Beobachtens und Verstehens befähigt. Seit Urzeiten hat er als Ackerbauer und Jäger  das Wetter im langjährigen Ablauf beobachtet und daraus Bauernregeln entwickelt. Er hat ohne Messungen Statistiken entwickelt, um die Feldbestellung besser organisieren zu können. Daher rühren Daten und solche Namen wie die Eisheiligen, die Schafskälte, die Hundstage, der Altweibersommer, etc.

Was die Menschheit dringend benötigt, sind bessere und längerfristige Wettervorhersagen, um sich frühzeitig auf Wetterunbilden, ja Wetterkatastrophen einstellen und Schäden von der Volkswirtschaft abwenden zu können. Doch die Etats der staatlichen Wetterdienste werden reduziert, weil seit vielen Jahren Milliarden und noch mehr Milliarden in die unsinnige Klima- und Klimafolgenforschung fehlinvestiert werden. Eine Kursumkehr wäre dringend nötig, aber die Staaten haben entdeckt, dass man mit der Drohung vor der Klimakatastrophe kollektive Ängste erzeugen kann und über die Fiktion Klimaschutz Milliarden an Steuern eintreiben kann. Die am 1. April 1999 eingeführten Ökosteuern füllen inzwischen den Staatssäckel mit knapp 19 Milliarden Euro! Die staatlichen Gegenleistungen erschöpfen sich in dem leeren Versprechen, das Globalklima zu schützen.

Das „finstere“ Mittelalter ist längst vorbei, aber der Ablasshandel treibt unter dem Vorwand Klimaschutz neue Blüten, ausgerechnet zu Lasten der sozial Schwachen. Sie tragen praktisch ganz allein auf ihren Schultern die Bürde des unsinnigen wie utopischen Wunschtraums von „globaler Klimagerechtigkeit“. Das Klima war noch nie eine Gefahr für dem Menschen und wird es auch nie werden, weil es mittlere Wetterzustände beschreibt. Alle Gefahren gehen vom realen Wetter aus!

Oppenheim, den 7. September 2010

Dr. Wolfgang Thüne

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