Biosprit – Hungern für den Klimaschutz?
Es war kein Sieg der Vernunft, der Verzicht des Umweltministers Sigmar Gabriel darauf, den Anteil an „Biosprit“ als Beimischung zum Benzin auf 10 Prozent zu verdoppeln. Nein! Zähneknirschend musste Gabriel sich dem Argument beugen, dass Millionen älterer Autos die hohe Zugabe an Biosprit nicht vertragen hätten. Doch was für den Umweltminister als eine Niederlage bei seinen Klimaschutz-Zielen erscheint, ist eher als Gewinn für Mensch, Natur und Landwirtschaft zu werten.
Diese entlastende Verschnaufpause für den Naturhaushalt wird allerdings von nur geringer Dauer sein, hat die Bundesregierung doch einen Gesetzentwurf vorgelegt, der für das Jahr 2020 eine Biokraftstoffquote von 17 Prozent in Deutschland vorsieht. Man will mit aller Macht global Vorreiter und Musterschüler beim Klimaschutz sein. Es ist dieser fanatische Ehrgeiz, der den klaren Blick trübt und für die Realität blind macht. Mögen auch der Landwirtschaftsminister Horst Seehofer wie der Bauernpräsident Gerd Sonnleitner den Preisanstieg für Agrarrohstoffe begrüßen und die hohen Lebensmittelpreise als Segen für die deutschen Bauern ansehen, die globalen Folgen sind eher verheerend, denn überall dort, wo Bioenergie-Pflanzen wachsen, kann nichts mehr für die Ernährung angebaut werden.
Doch selbst in Deutschland gibt es keine landwirtschaftliche Überproduktion mehr, wie der SPIEGEL kommentiert: „Mit diesem Irrsinn ist es vorbei… Die Butterberge sind abgebaut, die Getreidehalden abgetragen, die Milchseen ausgetrocknet“. Das provoziert die Frage: Gehört das Rapsöl in den Tank oder in den Salat? In der Tat, die Politik steht am Scheideweg: der zunehmende Energiehunger verteuert Lebensmittel und verstärkt den Hunger! Die Preise für Butter, Speisequark, Vollmilch, Weizen, Mais erreichen Rekordhöhen, nicht zuletzt dank der Energiealternative Biosprit.
Mag man in Deutschland und Europa noch über die Zerstörung der Landschaft hinwegsehen, um „grüne Bioenergie“ zu erzeugen, doch weltweit überwiegen die Nachteile eindeutig die vermeintlichen Vorteile. Wenn schon die Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen Alarm schlägt und die Hilfslieferungen an Nahrungsmitteln wegen der exorbitant gestiegenen Preise an die Hungernden dieser Erde einschränken muss, dann sollte das Anlass zum Nach- und Umdenken sein, zur Abkehr von dem eingeschlagenen Irrweg.
Dieser Irrweg hat einen Namen: Klimaschutz! Der Mythos „Bio…“ soll die Umwelt schonen und den Klimawandel stoppen! Bio-Diesel, Bio-Ethanol, Bio-Energie, Bio-Masse, Bio-Gas, Bio-Wärme: Selten ist nach Meinung des Biophysikers Werner Mäntele von der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt „soviel pseudowissenschaftlicher Unfug verbreitet und Otto Normalverbraucher so hinters Licht geführt worden – und zwar von Politikern, von der Autoindustrie, Werbeleuten, und leider auch von vermeintlichen Ökologen und Umweltschützern…Ich habe oft das Leuchten in den Augen der unbedarften Öko-Freaks gesehen, wenn sie von ihrer klimaneutralen Tankfüllung sprachen, so als hätten sie bei einem kurzen Tankstop am Rapsfeld persönlich die Pflanzen in den Tank gestopft. Für die Produktion von Biodiesel, präzise gesagt veredeltem Rapsöl, muss gepflügt, geeggt, gepflanzt, gedüngt, gespritzt und geerntet werden. Alle Schritte sind beim Bauern mit erheblichem Energieaufwand verbunden. Die geernteten Pflanzen müssen zur Ölmühle gefahren werden (die meist noch nahe liegt); das Öl wird dann in eine Raffinerie (die meist weit entfernt liegt) gefahren und dort in einem chemischen Prozess verestert und methyliert, energieaufwendig und mit hohem Transportaufwand. Bilanziert man den gesamten Energieaufwand, bis Biodiesel dann im Tank landet, sieht es mit der Klimaneutralität höchst mager aus.“
Doch noch weitaus magerer sieht die Bilanz aus, wenn man die Wirkung auf das „Klima“ betrachtet. Diese Wirkung ist gleich Null, weil das Schutzobjekt „Klima“ gar nicht existiert, sondern nur eine statistisch hergeleitete Abstraktion ist. „Klima“ ist ein Produkt unserer Einbildung, nichts weiter. Zerlegt man das „Klima“ in seine Einzelteile, dann landet man unweigerlich beim stets veränderlichen Wetter. Nach der Definition der Weltorganisation für Meteorologie der Vereinten Nationen benutzt man den Begriff „Klima“, um pauschal das „mittlere Wetter“ an einem Ort über eine 30jährige Periode zu charakterisieren. Das „mittlere Wetter“ ist ebenso eine Abstraktion wie das „mittlere Einkommen“ oder die „mittlere Lebenserwartung“. Statistisch errechnete Klimagebilde wie das „Azorenhoch“ oder das „Islandtief“ sind stationäre Scheingebilde ohne Wirklichkeit. Die wechselvolle Wirklichkeit spielt sich beim Wetter, bei seinen stets wandernden Hochs und Tiefs ab. Der Wunsch nach „Klimaschutz“ entpuppt sich als zwar schöne, aber utopische Illusion, deren Verwirklichung an der Unkontrollierbarkeit wie Unbeeinflussbarkeit des Wetters scheitert. Das Wetter ist nicht dem Menschen untertan! Im Gegenteil, der Mensch muss sich dem Wetter fügen, sich ihm beugen und anpassen. Keiner weiß das besser als ein direkt der Natur ausgesetzter wie dem Wetter ausgelieferter Bauer. Das Wachstum der Rüben und ihr Zuckergehalt hängen vom Wetter ab. Wie sollte die Rübe einen 30jährigen Klimawert beeinflussen?
Das Vorhaben der Vereinten Nationen, das „Globalklima“ schützen und den Klimawandel stoppen zu wollen, mag zwar den Größen- und Machbarkeitswahn eines sich zur Herrschaft über die Natur berufen fühlenden Menschen befriedigen, doch diese Herrschaftsgelüste scheitern schlicht und einfach am Wetter. Was auch immer an finanziellen Ressourcen zum Schutz des Klimas abkassiert und investiert wird, mag zwar so manchen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft beglücken und bereichern, doch auch in 1000 Jahren wird sich am Grundcharakter des Wetters und seiner Unbeständigkeit nichts ändern. Der Klimaschutz-Politik werden wir solange nicht Einhalt bieten können, solange wir an die Möglichkeit der Klima-Katastrophe glauben und uns überflüssige Klima-Ängste einreden lassen.
Die einzige Möglichkeit, um eingebildeten wie eingeredeten Gefahren zu begegnen und sie zu bewältigen, hat der Königsberger Philosoph Immanuel Kant aufgezeigt. Kant forderte uns auf, den Mut zu haben, unseren eigenen Verstand zu benutzen, um aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit herauszukommen. Sein Wahlspruch lautete: „Sapere aude!“ Dieser Willensakt setzt voraus, dass wir kritisch dem „Zeitgeist“ begegnen und uns nicht bequem und willig von ihm treiben lassen. Nur der selbst denkende Bürger ist auch ein mündiger Bürger.
Kehren wir zum Ausgangspunkt zurück und lassen Professor Mäntele sprechen: „ Man muss nicht religiös sein, um erhebliche Bedenken zu haben, wenn Lebensmittel (wie Getreide, Mais, Rüben) extra dafür angebaut werden, damit sie später im Tank des Kraftfahrzeuge landen. Solange noch Menschen auf der Welt hungern, sollte dies auf keinen Fall gemacht werden…Ich habe mit Verwunderung festgestellt, wie gering die Proteste unserer großen Kirchen gegen diese – immerhin subventionierten – Schritte sind. Vielleicht planen sie sogar schon eine gemeinsame Änderung der entsprechenden Passage im Vaterunser: „…unser täglich Sprit gib uns heute.“ Fazit: Hungern für den Klimaschutz? – Nein danke!
Oppenheim, den 6. April 2007
Deutsch
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